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Welterbe AG

 

Die AG Welterbe arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich an der IGS Grünthal und stellt eine feste Größe im schulischen Leben dar.

Ziel der Tätigkeit ist es, das Interesse der Schüler an kulturellen Werten zu wecken und sie für den Erhalt dieser zu sensibilisieren. Ständig sind die AG- Mitglieder auf Spurensuche und gehen mit wachem Blick durch ihre Heimatstadt. Seit der Aufnahme der Stralsunder Altstadt in das Weltkulturerbe macht die Arbeit noch mehr Spaß, verpflichtet aber auch.

 

Eine  Altstadterkundung führte in die Badstüberstraße - der Hansedom von gestern:

 

Wo gingen die Stralsunder baden, als es noch nicht den Hansedom gab? Um diese Frage zu beantworten, machten sich die Schüler der Welterbe-Arbeitsgemeinschaft der Integrierten Gesamtschule Stralsund wieder einmal auf den Weg durch die Altstadt unserer Hansestadt Stralsund.

Die Badstüberstraße lässt vom Namen her diesbezügliche Schlüsse zu. Genaue Auskünfte über die Badekultur im Mittelalter und viele weitere interessante Geschichten aus der Vergangenheit wusste Herr Mazart bei unserem Treffen zu berichten. Ins Mittelalter versetzt fühlten sich die Schüler nicht nur durch seine anschauliche Erzählweise, sondern auch das Tragen eines altehrwürdigen Kaufmannskostüms trug zu einer besonderen Atmosphäre bei. In seinem liebevoll sanierten Haus in der Badstüberstraße 16 berichtete er von alten Traditionen, dunklen Kapiteln der Stralsunder Stadtgeschichte und Problemen aus heutiger Zeit. Im Mittelpunkt stand der Beruf des Baders, der eine Lehrzeit von vier Jahren hatte und sich nicht nur der Körperpflege widmete. Ob jung oder alt, arm oder reich, Mann oder Frau - alle badeten zusammen. In den Badstuben wurden Haare und Bärte geschnitten, Zähne gezogen, Wunden behandelt, Aderlässe vollzogen, ja sogar Operationen und Amputationen durchgeführt! Herr Mazart wusste auch, dass 1629 alle Bader in Stralsund an der Pest starben.

Neben den Badern lebten in dieser unscheinbaren Straße am Stadtrand nahe des Klosters und Hafens arme Bürger wie Fischer und Handwerker. Lebendig wurde das Haus Nr. 16, in dem früher auch einmal ein Kaufmann wohnte, als die Schüler die Schätze der vier Etagen erkundeten. Ab und zu knirschte es im alten Gemäuer, in welchem sogar Teile der Stadtmauer in Küche und Bad erhalten sind.

Der fast dreistündige Besuch verging viel zu schnell. Es war sehr interessant für alle, einen so gastfreundlichen und engagierten Bewohner der Stralsunder Altstadt kennen zu lernen.

 

Welterbe

 

Die Schüler unserer Schule befassen sich auf verschiedenste Art und Weise mit dem Thema Welterbe. So beteiligen sie sich an kulturellen Höhepunkten wie z.B. am Jubiläumsprogramm im Stralsunder Theater anlässlich der 775-Jahr-Feier der Hansestadt Stralsund. Verschiedene Projekte führten zu  Ergebnissen, die auf DVD festgehalten wurden und käuflich erworben werden können. In dem Unterrichtsmaterial „Projekttage einmal anders- Schüler entdecken ein Museum-Mönchstr. 38/Museumshaus“ ( ISBN 393915516-0), das im Jahr 2007 entstand, lassen die Schüler in den Räumen des wertvollen Baudenkmals die Geschichte lebendig werden. In historischen Kostümen schlüpfen sie in 7 Spielszenen in die Rollen der früheren Bewohner.

 

 

 

In Vorbereitung der 2. Fotoausstellung „Stralsunder Altstadtgebäude und ihre Geschichte(n)“(ISBN 9783939155393) erkundeten die Schüler der 10.Klasse im vergangenen Schuljahr  ausgewählte Altstadtgebäude und schrieben ein Buch über diese. Darin enthalten ist jeweils eine Chronik, eine Geschichte und Fotos, die von den Schülern der Welterbe-Arbeitsgemeinschaft erstellt wurden. Ein Besuch führte z.B. in das noch vollständig erhaltene Scharfrichterhaus, eine Rarität im hanseatischen Ostseeraum:

 

Hinter Gittern

 

Am Abend des 05. September 1558 verkündete ein gut aussehender junger Mann in einer Kneipe in der Frankenstraße, dass er von Gott gesandt sei, um Buße zu predigen. Bereits mit seinem ersten Auftritt spaltete er das Stralsunder Volk in zwei Lager, einerseits sah man ihn als den Gesandten Gottes und andererseits als Lotterbuben oder Müßiggänger. Schon am nächsten Tag verschaffte sich Peter Suleke, ein Religionsschwärmer des 16. Jahrhunderts, der aus der Stadt Stettin ausgewiesen war, in der Stralsunder Marienkirche Gehör.

Peter konnte das Volk begeistern, predigte mehrmals täglich und hatte schnell große Menschenmengen um sich. Zu seinen begeisterten Anhängern gehörten Angehörige der niederen Volksklassen, vor allem Kinder, Frauen und Mädchen. Dennoch lösten seine Predigten über einen Zeitraum von fünf Monaten Unruhen und Straßentumulte in Stralsund aus. Immer wieder griff er verbal die Obrigkeit an, die ihn jedoch für lange Zeit gewähren ließ.

Eine zu jener Zeit in Stralsund herrschende Finanznot verhalf dem Religions-schwärmer zu weiterer Macht. Die Ratsmitglieder beschlossen, die leeren Stadtkassen mit einer Steuer auf das Lieblingsgetränk der Stralsunder (Bier) zu füllen. Im Kampf gegen die Einführung dieser Willkür des Rates wurde Peter Suleke zum Anführer des einfachen Volkes. Die Obrigkeit verbot ihm nun mehrfach seine Predigten auf Straßen, Plätzen und in Kirchen und drohte mit einer „Verwahrung, bei der ihn weder Sonne noch Mond bescheinen solle“. Peters Ansehen im Volk wuchs beständig, er wurde immer mutiger und unerschrockener und wagte Gegenpredigten.

Am 06. Oktober 1558 wurde der Religionsschwärmer Peter Suleke nach einer Gegenpredigt in der Nikolaikirche in Anwesenheit der Bürgermeister Wessel und Gentzkow auf Befehl dieser in den Diebskeller der Büttelei (Scharfrichter-haus) gesperrt. Schnell verbreitete sich die Nachricht dieser Verhaftung in ganz Stralsund und versetzte seine Anhänger in Aufruhr. Diese forderten besonders angenehme Haftbedingungen für ihr Idol und statteten Peter mit weichen Betten, Betttüchern, Nachtwäsche … aus. Reiche Gaben an jedem Tag ließen nicht nur Peter Suleke, sondern auch den Scharfrichter und seine Frau wie im Schlaraffenland leben. Einzigartig waren wahrscheinlich die Besuche der Damen, die der Religionsschwärmer während seiner Gefangenschaft empfangen durfte.

Da alle Gnadengesuche der Bevölkerung durch die Obrigkeit abgewiesen wurden, versammelte sich das Volk am 14. Oktober gegen 7:00 Uhr in der Frühe vor der Büttelei, um ihren Helden zu befreien. Einige hundert Personen schmissen zunächst Steine, die sie aus dem Straßenpflaster rissen, gegen Türen und Fenster des Scharfrichterhauses. Da diese Aktion ohne Erfolg blieb, wollten die Männer mit dem Schinderkarren die Tür aufstoßen. Der Scharfrichter bekam Angst, sprach aus dem Fenster zur Anhängerschar und wurde dabei durch einen Steinwurf verletzt. Das Volk drohte, nicht eher aufzuhören, bis Peter frei sei, sonst würden sie Henker und Frau töten. Dieser gab auf, nachdem das Volk mit Äxten und Beilen das gesamte Scharfrichterhaus stürmte.

Peter Suleke ging gestärkt aus seiner Gefangenschaft hervor und predigte bereits am nächsten Morgen wieder. Seinen Glaubensweg beschritt er mit seiner großen Anhängerschaft unermüdlich weiter, bis er am 20. Februar 1559 nach erneuter kurzer Inhaftierung der Stadt verwiesen und zur Sicherheit bis an die Landesgrenze nach Ribnitz geleitet wurde.

 

Durch die bedeutende Rolle von Stralsund im Mittelalter werden die Archäologen noch heute an zahlreichen Stellen der Altstadt fündig. Die Mitglieder der Welterbe-Arbeitsgemeinschaft besuchen die aktuellen Ausgrabungsstätten und dokumentieren sie.  Eine Reise in das Pommersche Landesmuseum nach Greifswald ermöglichte die Betrachtung der Fundstücke um die Baustelle der Ostsee-Pipeline.

 

Das neueste Projekt  beschäftigt sich  mit dem Wirken der  Bauunternehmer Viernow und Teichen. Die Arbeitsergebnisse  werden derzeit in Form einer  Fotoausstellung in der Jacobikirche präsentiert. Ab dem 04.09.2012 kann die Ausstellung im Nachbarschaftszentrum besichtigt werden.

 

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Ausstellungseröffnung